Bevor wir, zumindest mein Mann und ich, das letzte Mal die Tierheimtür hinter uns schlossen, fuhr Loli mit ihrem Mann vor. Sie hatte eine kleine Maus im Arm und war auf dem Weg zum Tierarzt. Sie hatte ganz geschwollene Augen. Eine Allergie? Man sah Loli an, dass sie mit litt.
Die Bildergalerie benötigt mindestens Flash Version 9.0.28!
Bitte installieren Sie den aktuellen FlashPlayer.
Lidia kam auch noch mal um die Ecke gedüst. Sie wollte uns abholen, damit wir gemeinsam mit ihren Eltern zu Abend essen. Wir schauten wohl ein wenig fragend, da sagte sie mir, dass sie mir das doch erzählt hätte und ob ich es nicht verstanden hätte. Jo, dachte ich. Klar, am Nachmittag war sie kurz bei uns in Tierheim, wir liefen auch gemeinsam über den Hof, aber die Geräuschkulisse war wie immer so gigantisch, dass ich nichts verstanden habe. Aber wir sind ja flexibel. So schmutzig wie wir waren, fuhren wir brav hinter Lidia und ihrem Freund her.
Mitten in der Pampa stand ein kleines Häuschen. Ein Wochenendhaus, welches sehr einladend aussah. Herzlich wurden wir von ihren Eltern begrüßt. Sie zeigten uns ihr kleines Reich. Es gab natürlich auch zwei vierbeinige Familienmitglieder. Ein kleiner Mix, gefunden auf der Straße und ein dreibeiniger Galgo. Man hatte sie angefahren und liegen gelassen.
Aus dem Haus kam ein herrlicher Geruch. Es war ein Kamin mit Grill, auf dem leckere Sachen für uns gegrillt wurden.
Alles in Allem, es war ein wunderschöner Abend. Der Abschluss hätte nicht besser sein können.
Wir sprachen über viele Dinge, auch dass die Deutschen sagen, dass „Die“ Spanier schlecht zu Hunden sind. Lidia zeigte in die Runde ohne ein Wort dabei zu verlieren. Sie zeigte auf die Menschen, die zu jeder Zeit bereit wären, einer armen Kreatur zu helfen. Sie zeigte in eine spanische Runde! Sie konnten es alle nicht verstehen, warum man sowas sagt. Seien es doch die Leute im Land, die gegen das Elend kämpfen. Wir haben ihnen dann versucht zu erklären, dass man gerne alles in einen Topf schmeißt. Dass, wenn man die qualvollen Bilder der Galgos sieht, erst einmal die Worte in Wut packt und dass wir in Deutschland natürlich wissen, dass es ohne die Spanier selbst eine Hilfe für die Hunde nicht geben würde.
Darauf gab es dann einen selbstgemachten Schnaps. Absolut lecker, aber da wir alle sehr k. o. waren, blieb es bei einem.
Mit einem gemeinsamen Foto verabschiedeten wir uns und sprachen unsere Hoffnung aus, dass wir uns wiedersehen würden….
Auf dem Weg zu Lidias Haus fragte mich Monika, ob ich mir schon Gedanken über die paar Tage gemacht hätte, ob ich wieder kommen würde.
Das würde ich. Michael und ich haben nicht eine Minute bereut. Wir waren uns schon vor der Fahrt sicher, dass wir hier bei Loli genau das Richtige tun. Die Zeit hier zu verbringen, die Menschen kennen zu lernen, konnte dieses Gefühl nur bestärken.
Und wir werden wiederkommen. Wir wissen noch nicht wann, mit Luft und Liebe fährt kein Bus, kein Flieger nimmt einen per Anhalter mit.
... und deshalb kommen wir wieder !!!
Der Sonntag ist recht schnell erzählt.
Nach dem Frühstück haben wir unsere Sachen gepackt. Michael und ich mussten mittags am Flughafen sein, Monika und Helmut warteten bis zum Abend, da sie ja 9 Hunde mit nach Deutschland nahmen.
Der Abschied von all den Hunden war schon ein komisches Gefühl, aber es war keine Traurigkeit. Wenn sie auch nicht alle ein Zuhause in Deutschland bekommen sollten, es ging ihnen gut. Hatten sie doch großes Glück, dass Lidia sie gefunden hatte.
Ein letztes Mal fuhren wir zu Loli. Über Lidia ließ sie uns sagen, dass sie von unserem Besuch sehr angetan war, nie zu hoffen gewagt hatte, dass sie sich einmal mit warmen Wasser die Hände waschen könnten, geschweige von einem WC. Sie war sehr gerührt und als wir uns zum Abschied in die Arme nahmen, waren wir beide zu Tränen gerührt. Wir hatten zu danken, zu danken für die Gastfreundschaft, für das Vertrauen, das sie uns im Tierheim ohne zu fragen unsere Arbeit machen ließen, denn sie wussten von nichts, was wir vorhatten. Wir hatten zu danken für das, was sie für all diese Tiere tun mit all ihrer Liebe, ihrer Zeit…
Es blieb uns dann nur noch Helmut und Monika eine gute Fahrt zu wünschen. Sie hatten von uns den anstrengendsten Part - 2000km lagen vor ihnen.
Ob auf der Fahrt nach Madrid, beim Warten auf den Flieger oder auf dem Flug selbst, ständig waren die Gedanken noch im Tierheim. Ich dachte an all die Augen, die einen fragend ansahen – kannst du mich mitnehmen? Wird mich überhaupt jemand liebhaben? Natürlich, auch wenn sie kein Zuhause finden werden, viele werden das Tierheim nie verlassen, gibt es von Loli und ihren Helfern immer eine Berührung, immer eine liebevolle Behandlung. Mehr als mancher Hund auf der Straße erfahren wird.
So habe ich die Reise in Erinnerung. So werde ich immer an sie denken.
Wir danken allen, die durch Ihre Spenden diese Arbeiten im Tierheim möglich gemacht haben. Wir danken allen für ihr Vertrauen, denn Geldspenden sind keine Selbstverständlichkeit!
Vielen Dank!
Ich beende diesen Reisebericht mit der Hoffnung, dass wir auch weiterhin auf eure Hilfe zählen können.
Das Projekt Zwinger ist in vollem Gang, aber es fehlen immer noch einige Euros.
Sie sind so wichtig, damit die Galgos gut untergebracht sind. Ich möchte nicht wissen, wie viele Bakterien unter den Brettern lauern, vom Gestank mal ganz abgesehen! Einige der Hunde versuchen ihre Köpfe durch den Draht zu stecken, oft bleiben sie hängen!
Ich bedanke mich im Namen aller und wünsche uns und allen, die im Tierschutz tätig sind, eine gute Zeit, versehen mit Hoffnung, dass wir alle weiterhin helfen können.
Bettina Seidemann und das Team von der Futterkette.
Unser besonderer Dank geht an Helmut, unserem Allroundtalent. Michael, der Helmut und uns Frauen tatkräftig zur Seite stand.
Danke an all die, die gespendet haben!